Teil 1: Warum Kritische Theorie? Eine Einführung
Die kritische Theorie war der Versuch einer zeitgemäßen Kritik der Gesellschaft. Sie entstand am Ende der Weimarer Republik aus einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Marxismus der Arbeiterbewegung und der Psychoanalyse Freuds. Im Exil und nach 1945 versuchte sie, theoretisch nicht einfach weiterzumachen, sondern die Erfahrung des Untergangs der Arbeiterbewegung, des Nationalsozialismus und Auschwitz zu reflektieren und in ihre Kritik der Gesellschaft aufzunehmen. Im Zuge der Studierenden-Revolte von ’68 wurde die Kritische Theorie in der Linken weltweit bekannt. Der Vortrag führt in zentrale Überlegungen der Kritischen Theorie, wie sie von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno formuliert wurde, ein.
Warum Kritische Theorie? Eine Einführung.
mit Philipp
Mittwoch, 11.03.26
18 Uhr
Ladenlokal [kany], Thälmannstr. 26, Erfurt




Teil 2: In postnazistischer Gesellschaft. Adorno und die Nötigung zur Soziologie.
Bourdieu hat Adorno einst vorgeworfen, er habe sich geweigert, die „Küche der Empirie“ zu betreten und sich in ihr „seine Hände zu beschmutzen“, und das Gegenteil ist wahr. Denn mag sich Adorno anfänglich auch eine Karriere als Philosoph, Komponist und Musikkritiker vorgestellt haben, dessen Gesellschaftskritik sich vornehmlich in Kategorien der Ästhetik und der Kunst ausdrückt, so wurde er von der historischen Entwicklung bald darüber belehrt, dass eine kritische Theorie der Gesellschaft ohne die empirische Untersuchung ebendieser Gesellschaft kaum möglich, gewiss jedenfalls nicht praktisch wirksam ist.
Der Vortrag zeichnet den Weg Adornos von seiner frühen Beschäftigung mit Georg Lukács und Walter Benjamin übers Exil in den USA und die Wiederkehr nach Frankfurt nach, bis er, als Direktor des Instituts für Sozialforschung, maßgebliche Studien zum politischen Bewusstsein der Westdeutschen leitete: vom „Gruppenexperiment“ in der neu gegründeten BRD bis zur „Heimkehrerstudie“ unter ehemaligen Kriegsgefangenen. Beide Untersuchungen verdeutlichen, weshalb Adorno überhaupt nach Deutschland zurückgekehrt ist und weshalb deutsche Geschichte nicht vergeht.
Dirk Braunstein ist Leiter des Archivs des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt.
In postnazistischer Gesellschaft. Adorno und die Nötigung zur Soziologie
mit Dirk Braunstein (Institut für Sozialforschung)
Donnerstag, 19.03.26 – 18 Uhr
Ladenlokal [kany], Thälmannstr. 26, Erfurt





Teil 3
folgt
